Panama City -> San Blas Inseln, Panama

Eigentlich haben wir uns bei Abreise ganz aktiv fuer einen Fotoblog entschieden, weil wir glauben, dass Bilder die beste Sprache sprechen. Mittlerweile haben wir jedoch so viele skurrile Geschichten erlebt, die sich eben nur schwer in Bilder fassen lassen. Daher gibt es jetzt unseren ersten Textpost.

Unser Segelboot von Panama nach Kolumbien sollten wir auf der San Blas Insel El Porvenir treffen. Die San Blas Inseln gehören zu einem autonomen Gebiet östlich des Panama Kanals, das sich entlang der panamaischen Karibikküste von El Porvenir bis hin zur kolumbianischen Grenze erstreckt. Die San-Blas Inseln werden von den Kuna, einem indigenen Volksstamm, bewohnt und selbst verwaltet. Die Fahrt von Panama City ist eine unkomplizierte 2 Std. Tour mit einem 4×4 Taxi nach Cartí, gefolgt von einer 30minütigen gemütlichen Bootsfahrt bis El Porvenir. Theoretisch…

Panama City - El Povenir

Als wir uns drei Tage vor Abfahrt in Panama City um ein Taxi kümmern, werden uns, egal ob im Hotel oder direkt bei Taxifahrern, nur überteuerte Fahrten jenseits der 100 USD (statt der üblichen 60 USD) angeboten. Egal wen wir fragen, irgendwie will uns niemand für einen angemessenen Preis nach Cartí bringen. Gerade als Romy und ich lautstark diskutieren, wer von uns beiden so lange mit der Planung warten wollte, treffen wir John. John ist Mitarbeiter im Hotel, ein Kuna, ca. 1,50 m groß, erinnert von der Statur ein wenig an ein Bierfass und hat immer ein breites, warmes Lächeln für uns bereit. Er ist unser Schlüssel zum Erfolg und erklärt uns auf gebrochenen Spanisch (immer noch besser als unser Spanisch, aber auch für die Kuna ist Spanisch eine Fremdsprache), dass der Freund eines Freundes Freund uns am 16.02. um 5 h morgens abholen und fuer 60 USD nach Cartí bringen könnte. Perfekt, denken wir. John bestätigt die Fahrt noch fix am Telefon, danach ein breites Lächeln und husch husch, weg ist er…

Am 16.02. stehen wir also um 04:50 h vorm Hotel und warten. Als wir nach einer guten Stunde um ca. 6 h überlegen, wer von uns beiden auf die dumme Idee kam, diesem John zu vertrauen, fährt ein Pick-Up Truck vor. Na also, geht doch! Unser Gepäck wird auf der Ladefläche des Pick-Ups verstaut und wir steigen erleichtert in den Wagen. Ein wenig verwirrt schauen wir unserem Mitfahrer ins Gesicht. Nicht, dass wir keinen weiteren Mitfahrer erwartet hätten, aber: Kuna, 1,50 m groß, ein breites Lächeln, erinnert ein wenig an … (da wir den Namen leider vergessen haben, nennen wir ihn einfachheitshalber John 2 – die Ähnlichkeit war sowieso verblüffend).

Mit der Frage wie, wann und wo wir ein Boot von Cartí nach El Porvenir finden, lösen wir erstmal eine lange Diskussion zwischen John 2 und dem Fahrer aus. Als wir uns letztendlich nicht mehr sicher sind, ob die beiden überhaupt noch unsere Frage diskutieren, kommt die Antwort: Heute äußerst ungünstig. Morgen beginne im gesamten Kuna Land die Schule und es seien daher alle Familien auf dem Rückweg vom Festland zu den Inseln. Aber, wie soll es anders sein, John 2 habe einen Freund. Ein Freund dessen Freundes habe ein Boot und könne uns möglicherweise fahren… Perfekt, denken wir wieder! Wenn’s mit John geklappt hat, warum nicht auch mit John 2? Und zack, bestätigt John 2 die Fahrt per Telefon!

Zwischenzeitlich hat der Wagen angehalten. Es steigen zwei weitere Kuna Mitfahrer ein. Mittlerweile sitzen wir also zu viert auf der Rückbank, wir zwei Gringos und zwei Bierfässer, die es sich langsam gemütlich machen. Das geht besonders gut bei 120 km/h und vier geöffneten Fenstern. Romy sitzt halb auf der Armlehne der Tür und ich versuche unter ihr hindurchzukrabbeln, damit sie auch mal „komfortabel“ in der Mitte sitzen kann. Der Wagen biegt von der Hauptstraße ab und es geht quer durch den Regenwald. Jetzt macht der 4×4 Antrieb Sinn. Einige Minuten später fängt es an zu regnen. Romy und ich machen dem Fahrer verständlich, dass wir unsere Rucksäcke eintüten wollen. Für solche Fälle sind wir, wie schon Hunderte Male zuvor, einem Backpacker zutiefst dankbar, der uns in Nicaragua zwei große Müllsäcke mit einem Augenzwinkern überlassen hat. Damals dachte ich noch „Was sollen wir mit einem Müllsack?“ Heute verstehe ich das Augenzwinkern besser. Also steigen wir aus, verpacken unsere Rucksäcke und zurück auf die Rückbank. Romy sitzt wieder auf der Lehne und nach einer halben Stunde beginne ich meine Krabbelübungen. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass sich die anderen drei Mitfahrer und der Fahrer über uns lustig machen…

Gegen 8:30 h erreichen wir die Anlegestelle in Cartí. Ich würde sagen unsere Stimmung war leicht angespannt. „Endlich ist das Chaos vorbei. Oh, Moment, mein Fehler, vielleicht auch nicht!“ Hunderte von reisenden Kuna rennen voll gepackt kreuz und quer, wer nicht rennt sitzt auf seinem Hab und Gut und wartet auf das nächste Boot.

John 2 ruft „Beeilung!“ Wir sollen ganz schnell unsere Abreisegebühr von 2 USD zahlen, denn unser Boot habe schon abgelegt und könne nicht mehr lange auf uns warten. Wir rennen also mit unseren Müllsäcken unterm Arm zu einem kleinen Bretterverschlag, drängeln ein bisschen nach vorne (ohne drängeln geht hier gar nichts!) und zahlen unsere 2 USD. Danach bahnt uns John 2 den Weg in Richtung Dock, um das Boot aufzuhalten. In der Tat kommt ein mit Kuna-Reisenden vollgepacktes Boot zurück an Land, um uns abzuholen. „Endlich im Boot!“ In der kleinen etwa 5 Meter langen Nussschale sind wir den Wellen vollkommen ausgesetzt. Nach der ersten großen Welle sind wir komplett durchnässt. Neben den in Müllsäcken verstauten Reiserucksäcken haben wir noch jeweils eine vollgepackte Plastiktüte mit unseren Utensilien, die wir während der Überfahrt mit dem Segelboot benötigen werden. Eine der kleinen Tüten reißt und wir versuchen Klamotten, Kulturbeutel und uns selbst vor dem Schlimmsten zu schützen. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass sich die anderen Mitfahrer über uns …

Nach 20 Minuten haben wir es geschafft und kommen, wie wir annehmen, auf El Porvenir an. John 2 verabschiedet sich mit einem breitem Lächeln, zwei Armbändern als Geschenk und den Worten „this isn´t El Porvenir“. Auf dem Dock wird erstmal heftig zwischen den Bootsführern diskutiert. Und plötzlich haben alle ganz viel Zeit… Musste das Boot nicht eben noch schnell los? Uns beschleicht wie immer das unwohle Gefühl, dass niemand einen Durchblick darüber hat, welches Boot wohin fahren soll. Aber tranquilo, ganz entspannt, erstmal gemütlich zurücklehnen und abwarten. Langsam realisieren wir, im absoluten Paradies angekommen zu sein. Soweit das Auge reicht klares, türkisblaues Wasser und unzählige Inseln mit weißen Sandstränden. Wir sind zwar noch immer nicht angekommen, aber das erste Mal kommen wir heute ein wenig zur Ruhe und genießen die Sonne, während die Bootsführer abklären, wer als nächstes mit welchem Boot wohin fährt.

Irgendwann kommt John 2 zurück. Wir sollen umsteigen. Ein anderes Boot wird uns nach El Porvenir bringen. Warum auch nicht? Also geht’s mit Sack und Pack ins nächste Boot, mit dem wir nach weiteren 30 Minuten ein wenig dehydriert und müde tatsächlich El Porvenir erreichen! Unglaublich, denn als ich in das zweite Boot durch die unzähligen leeren Bierdosen auf dem Boden gestiegen bin, hatte ich jeglichen Glauben verloren!

Wie auch immer, es ist schön, wenn man im Nachhinein erfährt, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Wie z.B. bei den beiden Australiern, die ebenso den Segeltörn mit uns durchgestanden haben. Die beiden haben insgesamt drei Stunden mit dem Boot von Cartí nach El Porvenir gebraucht, weil sie erstmal ungewollt einen großen Bogen um El Porvenir machten, um etliche Kuna auf irgendwelchen Inseln abzusetzen, bis sie letztendlich auf dem Rückweg nach Cartí auf El Porvenir herausgelassen wurden. Als die beiden leicht verspätet auf das Dock von El Porvenir krochen, sahen sie aus wie zwei ausgetrocknete, rot gebackene Krebse.

Man muss eben die richtigen Leute kennen … Danke John(s)!

R&r

Feb 16 2014 Category: Panama

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